SC Nordenham

Es begann im Jahr 1910 mit 15 begeisterten Fußballfans
Der lange Weg des SCN bis zum 1. FCN

Am Abend des 10. Juni 1910 gründeten 15 Fußballer den Sport- Club Nordenham von 1910. Die Gründer waren Erich Eilers, Fritz Tatje, Wilhelm Bunjes, Heinrich Schumacher, Friedrich Otte Friedrich Kreyenfeld, Karl Hasselhorst, Bernhard Schwarting, Gustav Behne, Karl Harms, Georg Tatje, Louis Peters, Willi Jüchter und Emil Klische. Wir möchten an dieser Stelle nicht verschweigen, dass einige der Gründungsmitglieder zuvor Mitglieder im 1. Fußballverein in Nordenham, mit dem Namen „FC Vorwärts“ waren, der bereits 1907 gegründet wurde.
In der darauf in der „Union- Gaststätte“ in der Müllerstraße erfolgten Gründerversammlung wurden folgende Mitglieder in den ersten Vorstand des SCN gewählt:
Vorsitzender: Fritz Tatje, 2. Vorsitzender: Emil Janßen, Kassenwart: Bernhard Schwarting, und Erich Eilers als Schriftführer.
Es wurde beschlossen, dass nicht nur das Fußballspiel, sondern auch die Leichtathletik sowie die Ballspiele Faustball, Schlagball und Handball gepflegt und gefördert werden sollen.
Bald entwickelte sich der SCN zu einem beachtlichen, vielseitigen Sportverein, der der Sammelpunkt der sportbegeisterten Jugend wurde. Im Jahre 1911 wurde in den Annalen des Vereins erstmals eine zweite Herrenmannschaft erwähnt. Das erste große Ereignis für die 1. Herrenmannschaft des SCN war das Spiel in Hamburg zu Ostern 1912 gegen den FC St. Pauli, der zur gleichen Zeit wie der SCN gegründet wurde. Für sein zweijähriges Jubiläum hatte er deshalb den SCN eingeladen.
Da die 1. Mannschaft aus Lehrlingen und Jugendlichen bestand, war es erklärlich, dass die SCN´er das Fahrgeld nach Hamburg nicht aufbringen konnten. Da schrieb Erich Eilers an die Hamburgereinen netten Brief und flugs wurde das Fahrgeld per Post übersandt. Der SCN wurde in Hamburg als „Meister von Ostfriesland“ auf großen Plakaten vorgestellt. Auch wenn das Spiel mit 0:8 Toren verloren ging, war es ein großes Ereignis.
Die Ereignisse des ersten Weltkrieges hatten in den Jahren 1914- 1918 ein nahezu völliges Erliegen des Spielbetriebes zur Folge, aber bereits 1919 begann man mit dem Wiederaufbau des SCN.
Zur gleichen Zeit wurde aber auch im Norden der Stadt ein Sportverein mit dem Namen Vorwärts gegründet. Dieser Verein besaß von Anfang an, auch eine Fußballabteilung.
1921 bereits trennten sich die Kicker von diesem Verein und gründeten den TuS Einswarden. Bis 1933 wurde der Spielbetrieb von mehreren Herren- und einigen Jugendmannschaften vorwiegend im Unterweserbereich durchgeführt. Nach der Machtergreifung von Adolf Hitler wurde der TuS Einswarden, der ein reiner Arbeitersportverein war, von der NSDAP verboten. Die Fußballsparte schloss sich dem Blexer Turnerbund an. Während des 2. Weltkrieges wurde es immer schwieriger, einen geregelten Spielbetrieb aufrecht zu erhalten, da immer mehr Sportkameraden zum Wehrdienst einberufen wurden. Schließlich wurde notgedrungen eine Kriegsspielgemeinschaft (KSG) Nordenham- Blexen gebildet. Verantwortlich für diesen Zusammenschluss zeichneten damals Max Görner, Hermann Wiechering und Emil Janßen. Ende 1944 bis Kriegsende 1945 musste der Fußballbetrieb völlig eingestellt werden.
Während im Stadtnorden die ersten fußballerischen Gehversuche gemacht wurden begann in der Stadtmitte nach dem I. Weltkrieg der Wiederaufbau des SC Nordenham. Namen wie Alfred Jänichen, Rudolf Mathis, Fritz Ehlers, Erich Eiler, Fritz Tatje, Hans Barre, Karl Schau, Gerhard Stuke und Fritz Köthe sind eng mit dieser Zeit verbunden. Anfang 1920 zog der SCN vom Hansa Hotel in sein neues Vereinsheim „Louis Krüger“ in der Schulstr. Mehrere Jahrzehnte lang sollte diese Gaststätte Treffpunkt des Fußballclubs und seiner Anhänger werden.
1921 erfolgte die übergabe des neuen Sportplatzes bei der Jahnturnhalle an die ortsansässigen Veine. Dieser Schlackeplatz wurde im Laufe der folgenden Jahre, bis zum Umzug in das Plaatweg-Stadion, zu einer Anlage, die besonders in der Zeit von 1948 bis 1960 zu einer wahren „Pilgerstätte“ der Fans aus Nordenham und seiner Umgebung wurde.
In den zwanziger Jahren spielte der 1.SCN in der A-Liga, und zwar vorwiegend gegen Mannschaften an der Unterweser. In der Saison 1926/27 gelang der ersten Mannschaft die Meisterschaft, und nach Siegen über Gestemünde und Germania Leer der Aufstieg in die Gauliga, damals die höchste Spielklasse im Raume Weser- Ems u.a. mit 1860 Bremen, Komet Bremen, Bremer SV usw. Es gab beim Start in Bremen ein sensationelles 3:3, das erstmals über Rundfunk verbreitet wurde.
Leider währte das „Gastspiel“ in der Gauliga nur ein Jahr, da die Spielerdecke für die Klasse zu dünn war. Außerdem wurden die immer größer werdende Wirtschaftskrise und die Arbeitslosigkeit auch im fußballerischen Bereich deutlich spürbar. Was jedoch blieb, war die Liebe zum runden Leder. Bis 1933 gab es noch einige Höhen, jedoch mehr Tiefen zu durchstehen.
An die Zeit vor 1933 soll nicht unerwähnt bleiben, dass im SCN nicht nur Fußball gespielt wurde. Der Verein bot außerdem Möglichkeiten zur Pflege von anderen Sportarten, wie Handball, Leichtathletik, Schwimmen und Damen- Gymnastik.
Herausragend bei den Leichtathleten war zu jener Zeit der Kurzstreckensprinter Georg Lammers, der 1928 in Amsterdam bei den Olympischen Spielen im 100 m Lauf die Bronzemedaille errang und in der 4X 100m Staffel die Silbermedaille holte.
Ende der 20er Jahre hatte der SCN 6 Herren- und 10 Jugendmannschaften. Nach 1933 gab es dann die Zwangsfusion mit dem FC Hansa, der in den SCN aufging. Dadurch gab es noch mehr Spieler und der SCN war an der Unterweser eindeutig die führende Mannschaft.
Auch hier bereitete der Krieg 1939/45 dem Sport bald ein Ende. Im Krieg gab es noch die Spielgemeinschaft SCN/ Blexer TB, aber immer mehr junge Männer wurden eingezogen und der Fußballsport der gesamten Region kam Ende 1944 zum erliegen.
Auch wenn man gewollt und „gedurft“ hätte, war an die Aufnahme eines Spielbetriebes nicht zu denken. Denn weder Sportplätze noch Turnhallen mit Umkleidemöglichkeiten standen zur Verfügung. Die Turnhallen waren von den Besatzungstruppen belegt und der Deichsportplatz in Einswarden und der Jahnplatz in Nordenham dienten als Parkplätze für amerikanische Militärflugzeuge.
Im September 1945 war es dann soweit. Die Sportplätze und Hallen standen wieder zur Verfügung. Leider hatten die Plätze unter der Last der amerikanischen Militärflugzeuge arg gelitten. Die Drainage war völlig zerstört, und die Sportplätze glichen einem Sturzacker.
In Nordenham war es Erich Denker, der die Initiative ergriff, um mit freiwilligen Helfern den Jahnplatz zunächst in einen einigermaßen bespielbaren Zustand zu bringen. Oft musste die städtische Feuerwehr unter Leitung von Gustav Emmert sen. Bemüht werden, um nach Regenfällen das Wasser abzusaugen, da von der Drainage nichts übrig geblieben war.
Während die Besatzungstruppen dem „Arbeiterverein“ im Stadtnorden erlaubte, den Spielbetrieb unter dem Namen TuS Einswarden wieder aufzunehmen, musste in der Stadtmitte ein neuer Verein gegründet werden.
Nach mehrmaligen Versuchen fand dann am 24.11.1945 unter Aufsicht der Militärregierung die Gründung des VfL Nordenham mit mehreren Sparten statt. Leiter der Abteilung Fußball wurde Max Görmer.
Ein Jahr musste man sich mit Freundschaftsspielen begnügen, die jedoch ihre Anziehungskraft nicht verfehlten. Am 15.09.1946 fand die erste Punktspielbegegnung der Ortsrivalen Nordenham und Einswarden statt. Der VFL gewann mit 2:0 Toren.
Ein herausragendes Ereignis aus dem Jahr 1947 soll nicht unerwähnt bleiben. Am 27.07.1947 gastierte in Nordenham der Gauligaverein Meidericher SV ( heute MSV Duisburg. Zwar bezog der VfL eine derbe 0:8 Niederlage; die Zuschauer waren jedoch begeistert von den Spielkünsten des Gegners aus dem „Kohlenpott“.
Es sind die Jahre 1948/49, die den weiteren Verlauf des Fußballsports im damaligen VfL Nordenham prägen sollten. Einmal waren es die Erfolge der ersten Herrenmannschaft, die die Zuschauer begeisterten, zum anderen eine schlagkräftige Jugendarbeit, die von sich reden machte.
Es war das 2. Spieljahr in der Bezirksklasse Nord, welches mit dem ersten großen Erfolg der Nachkriegszeit endete. Vor dem letzten Punktspiel in Jever am 18. Mai 1948 führte die „friesische Mannschaft“ aus Jever mit einem Punkt die Tabelle an. Die Jeveraner, die das Hinspiel mit 4:1 gewonnen hatten, waren ihrer Sache so sicher, dass sie bereits einen Siegerkranz auf dem Platz hatten, womit ihre Mannschaft gekrönt werden sollte. Sie hatten jedoch nicht mit der Kampfkraft der Unterwesermannschaft gerechnet und mit der Unterstützung der Nordenhamer Fans, die ihre Recken begleiteten. 1500 Schlachtenbummler in einem Sonderzug von „Kalli“ Ackermann gechartert – machte die Partie zu einem „Heimspiel“. Durch Tore von Kurt Hullmann und Jacob Molitor bei einem Gegentreffer wurde die Meisterschaft zugunsten der Wesermarschelf entschieden.“
Eine derartige Begeisterung unter den Nordenhamer Fans hat es nie wiedergegeben.
In den anschließenden Aufstiegsspielen gegen den Meister der Bezirksklasse- Süd, den BV Cloppenburg konnte unsere Mannschaft ebenfalls bestehen. Einem 1:1 in Cloppenburg, folgte ein hart erkämpfter 1:0 Sieg in Nordenham. Der Aufstieg wurde den Nordenhamer jedoch vermehrt, da am „grünen“ Tisch dem TuS Varel 2 Punkte zuerkannt wurden. In einem Entscheidungsspiel besiegte dann der BV Cloppenburg die Vareler, womit der Weg in die Amateur-Liga für die Südoldenburger frei war.
Das erste Spiel bestritt der TuS Einswarden noch unter dem Namen TB Blexen, und zwar am 13. November 1945 gegen den Ortsrivalen VfL Nordenham. Für dieses Ortsderby musste jedoch noch eine Sondergenehmigung von der Militärregierung eingeholt werden. Mit 3:2 blieben die Einswarder siegreich. In der Mannschaft standen u.a.: Pico Sloma, Theo Velden, Johann Busche, Hein von Holler, Rudi Anders, Erwin Malcharek, Herman und Hans Dieckmann, Max Kropla und Heinz Duda.
Wie bei vielen anderen Vereinen war auch in Einswarden der Neuanfang schwer. Es gab keine Fußbälle, keine Sportkleidung und wenig zu essen. Walter Stuke stiftete den ersten Fußball. Schuhe wurden „besorgt“. So erinnern sich alte Einswarder, daß irgendwie ein Sack voll Schuhe beim amerikanischen Depot organisiert worden waren. Zum Entsetzen der Einswarder Fußballer, stellte sich beim öffnen heraus, dass nur linke Schuhe im Sack waren. In Schlachter Eggen hatten die Kicker einen besonderen Freund und Gönner. Er sorgte u.a dafür, dass die Spieler etwas „vernünftiges“ zu Essen hatten.
Im ersten Spieljahr nach dem Kriege gab es für den TuS Einswarden nur Freundschaftsspiele gegen Mannschaften aus der Wesermarsch, Bremerhaven und Umgebung. Doch 1946 bereits begann auch hier wieder ein geregelter Punktspielbetrieb. Der TuS Einswarden spielte mit der ersten Herrenmannschaft in der Bezirksklasse Nord und wurde 1947 auf Anhieb Meister. Mit 27:5 Punkten hatten sich die Einswarder gegen Mannschaften aus Varel, Nordenham, Germania Wilhelmshaven, Jever- Heidmühle durchgesetzt und stiegen in die Amateur- Liga auf.
Das Gastspiel in der höheren Klasse währte jedoch nur ein Jahr. Zu stark waren die Kontrahenten Meppen, VfB Oldenburg, Germania Leer, Eintracht Osnabrück usw. 1948/49 spielte der TuS wieder mit Nordenham, Varel, Brake und Tossens! in der Bezirksklasse.
Im Jahre 1951 kam es dann auf Anregung von Emil Janßen und Max Görmer sowie Heinz Zimmermann zur Wiedergründung des SCN. Die Mitglieder der Sparte Fußball im VfL Nordenham traten geschlossen dem SCN bei, dadurch konnte die Klassenzugehörigkeit der Mannschaften gesichert werden.
Jetzt begann die große Nachkriegszeit des SCN. Im Spieljahr 1951/52 stieg die Mannschaft in die Amateur- Oberliga – damals die 2. höchste deutsche Spielklasse direkt unter der Regionalliga -, auf. Die Freude dauerte aber nur ein Jahr lang und man stieg wieder ab. Aber bereits im nächsten Jahr 1954/55 wurde wiederum die Meisterschaft errungen und man stieg erneut auf. Die Klasse konnte bis 1960 gehalten werden. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr stieg man ab.
In der Folgezeit musste der Amateur- Fußball im gesamten Bereich erleben, dass es nicht mehr so wie in den letzten Jahren zuvor war. Die Leistungen ließen nach, die Zuschauer blieben fern. Woran lag das? Es hatte verschiedenen Gründe. Bleiben wir aber bei unserer Betrachtung in unserer Region. Die Anzahl der Fußballer nahm zu; aber auch die Vereine, die Fußball spielen, nahmen zu. Hatte man zunächst in Nordenham nur zwei Vereine, den SCN und den Blexer TB (später TuS Einswarden), so kamen neue Vereine wie der ESV Nordenham, der SV Phiesewarden, der TSV Abbehausen und der TV Esenshamm hinzu, die alle Fußball spielten und bei jedem Verein gab es gute Spieler. Dadurch verzettelte man sich, was wohl dem Breitensport, aber nicht dem Spitzensport dienlich war.
Als weitere Gründen können wir im Bereich der jungen Talente festhalten, dass Bundeswehrzeit und Studium dem Nordenhamer Fußball eine Anzahl von hochtalentierten Fußballern verloren gegangen sind. Die Abnahme der Bevölkerung, die Abnahme von attraktiven Arbeitsplätzen in diesen Jahren hat weiterhin dazu geführt, dass die Vereine nicht genügend Nachwuchs für ihre Spitzenmannschaften bekamen. Das mögen einige Gründe für den leistungsmäßigen Niedergang des Fußballsportes in unserer Region sein.
Für die Mannschaften des SCN begann ab 1960 wieder der graue Fußball- Alltag mit Höhen und Tiefen. Die Mannschaft musste nach dem Abstieg 1960 völlig neu aufgebaut werden. Man hatte 1962 noch einmal ein großes Jahr im Pokal, die Mannschaft fiel aber bald in ein Mittelmaß zurück.
1971 fusionierte der SCN mit dem VfL Nordenham, dem 1. Nordenhamer Schwimm- Verein und dem Judo- Club zum Sportverein Nordenham. Die Sportler in Nordenham und auch die Fußballer erhofften sich von der Fusion einen Aufschwung. Zunächst sah es aber gar nicht danach aus; man musste sogar 1975/76 in die Bezirksklasse absteigen. Nach einem Kraftakt wurde die Mannschaft mit Hilfe des unvergessenen Spartenleiters Fritz Osterthun derart verstärkt, dass man den Wiederaufstieg in die Bezirksliga 1977 schaffte.
Hier sind insbesondere die Spieler D. u. H. Diekmann, Ralf Lüttmann, D. Zimmermann, H.D. Schierloh, Harry Duwe, J. Bittner, und Gerold Juhrs zu nennen.
Von da an spielte man stets in der Spitzengruppe der Bezirksliga und schaffte 1982 den Aufstieg in die Bezirksoberliga. Für diese Klasse war aber erneut die Spielerdecke zu dünn und man wurde Drittletzter der Tabelle und musste 1983 wieder absteigen.
Doch 1986 schaffte man erneut die Meisterschaft in der Bezirksliga und stieg erneut in die Bezirksoberliga auf.
In dieser Spielklasse konnte man sich ein paar Jahre halten, bevor 1992 der erneute Abstieg besiegelt war.
Dieser erneute Abstieg und die Gewissheit es alleine nicht mehr zu schaffen, eine schlagkräftige Mannschaft für höhere Aufgaben aufbauen zu können, löste eine neue Entwicklung im Nordenhamer Fußball aus. Wir wollen aber auch nicht verschweigen, dass eine angekündigte massive Streichung von Vereinsmitteln für die Fußballsparte innerhalb des SV Nordenham mit ausschlaggebend war, das sich die Vereinsverantwortlichen des SVN, des TuS Einswarden, der große Probleme im Bereich der Jugendarbeit hatte; und der TSV Abbehausen am „runden“ Tisch trafen. So wurde Ende des Jahres 1993 offen über die Fusion der drei Fußballvereine/ – Fußballsparten gesprochen. Hier wurde die Idee geboren, unter dem Namen 1.FC Nordenham (FCN) zu fusionieren und dann erneut Fußballgeschichte für Nordenham schreiben zu wollen. Das es letztendlich nur eine Fusion der Fußballsparte des SVN und des TuS Einswarden wurde, lag am Veto der Abbehausener Mitglieder, die sich für die Selbstständigkeit aussprachen.

1951 spalteten sich die Fußballer vom VfL Nordenham ab. Anschließend eilte die Mannschaft von Sieg zu Sieg.

Nach der Währungsreform 1948 gab es einige Veränderungen: Viele Nordenhamer wurden arbeitslos. Die Amerikaner verließen Nordenham. Die Industrie – wie zum Beispiel Weserflug und Felten & Guilleaume – hatte ihren Betrieb noch nicht wieder aufgenommen. Das Arbeitslosengeld reichte hinten und vorne nicht. Und manch ein arbeitsloser Fußballer musste von seinen Mitspielern unterstützt werden.

Die Zuschauer kamen in Strömen zum Jahnsportplatz. Erwachsene zahlten 1 DM Eintritt, Rentner und Arbeitslose 50 Pfennig, Jugendliche 20 Pfennig. Trotz dieser moderaten Preise hatte der VfL Nordenham Zuschauereinnahmen von 25 000 DM im Jahr.

In die Saison 1948/1949 startete der VfL Nordenham mit einer veränderten Mannschaft. Die alten Hasen traten ab und machten den Weg frei für den Nachwuchs. Der TuS Einswarden war zwar der Ortsrivale. Aber wenn es um etwas ging, halfen sich die Vereine gegenseitig aus. Am 15. Juni 1949 hatte der VfL die Oberliga-Mannschaft von Bremerhaven 93 zu Gast, in der auf Rechtsaußen der ehemalige Nordenhamer Jugendspieler „Flocki“ Geise spielte. Der VfL verstärkte sich mit den Einswardern Erwin Malcharek und Hermann Diekmann, die eine starke Partie im Mittelfeld ablieferten. Die Gäste hatten Glück, dass sie das Spiel mit 3:2 gewannen.

1:0 gegen Idrotts Club

Das größte Ereignis im Jahre 1950 war ohne Zweifel die erste internationale Begegnung. Vor 3500 Zuschauern spielte der VfL gegen Esöv Idrotts Club aus Schweden und gewann mit 1:0. Im Juli 1951 fuhren die Nordenhamer zum Gegenbesuch nach Schweden. Für die Fahrtkosten mussten die Spieler selbst aufkommen. Die Kosten für den Aufenthalt wurden durch drei Spiele bestritten. Die Verbindung zu den Schweden ist später leider abgerissen.

Anfang 1951 kamen bei den Fußballern erste Bestrebungen nach mehr Selbstständigkeit innerhalb des Vereins auf. Und alsbald mehrten sich die Stimmen derjenigen, die eine Wiedergründung des SC Nordenham zum Ziel hatten. Bei einer Spartenversammlung der Fußballer am 18. September 1951 versuchte der damalige Vereinsvorsitzende Erwin Bock, die Trennung der Fußballer vom VfL abzuwenden. Die von Max Görmer, Emil Janssen und Heinz Zimmermann eingeleitete Initiative war aber nicht mehr aufzuhalten. So wurde noch im selben Jahr der SC Nordenham wiedergegründet. Zum ersten Vorsitzenden wurde Dr. Herbert Haag gewählt. VfL und SCN kamen anschließend prächtig miteinander aus.

Der „neue“ SCN hatte seine erste Begegnung am 7. Oktober 1951. Die Mannschaft gewann mit 3:2 gegen den FC Norden. Sie hatte an Spielstärke gewonnen. Heinz Ziegert und Lothar Gerd kamen aus Brake und belebten den Sturm. Fortan wechselten viele Spieler – zum Beispiel Ostendorf und Garlichs – von Brake nach Nordenham, weil der SCN eine Klasse höher spielte. Büchner und Kalweit kamen vom TSV Abbehausen. Herbert Marx, die Brüder Rolf und Helmut Strieben sowie Siegfried Neuberg kamen zum SCN.

Meister 1952

Der Siegeszug der Mannschaft war in der Saison 1951/1952 nicht aufzuhalten. Die Halbstürmer Bartz und Ziegert zogen im Mittelfeld ihre Kreise. Nach einem 9:2 über den TuS Aschendorf feierte der SCN am 1. Juni 1952 die Meisterschaft und damit den Aufstieg in die zweithöchste deutsche Spielklasse, die Amateur-Oberliga.

Nach dem 2. Weltkrieg erlebte der Nordenhamer Fußball seine beste Zeit. 1952 stieg die 1. Mannschaft in die zweithöchste Spielklasse auf.

Der 1. FC Nordenham ist ein junger Verein. Er entstand 1994 durch die Fusion des TuS Einswarden mit der Fußballabteilung des SV Nordenham. Seine Wurzeln reichen aber bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts zurück. Am Abend des 10. Juni 1910 gründeten 15 Fußballer den Sport-Club Nordenham von 1910.
Das erste große Ereignis für die 1. Herrenmannschaft war 1912 ein Spiel beim FC St. Pauli. Der SCN wurde in Hamburg als „Meister von Ostfriesland“ auf Plakaten angekündigt. Das Spiel ging mit 0:8 Toren verloren, aber es war es ein großes Erlebnis für die Nordenhamer Kicker.
1921 gründeten einige Fußballer im Stadtnorden den TuS Einswarden. Doch der reine Arbeitersportverein wurde später von der NSDAP verboten. Die Fußballsparte schloss sich dem Blexer Turnerbund an.
Die Weltkriege sorgten dafür, dass der Spielbetrieb sowohl beim SC Nordenham als auch beim TuS Einswarden zeitweise zum Erliegen kam. 1945 erlaubten die Besatzungstruppen dem Arbeiterverein, den Spielbetrieb unter dem Namen TuS Einswarden wieder aufzunehmen. In der Stadtmitte musste ein neuer Verein gegründet werden, der VfL Nordenham. 1946 fand die erste Punktspielbegegnung der Ortsrivalen statt. Der VfL gewann mit 2:0.
1951 kam es zur erneuten Gründung des SCN. Die Mitglieder der Sparte Fußball im VfL Nordenham traten geschlossen dem SCN bei. Es begann die erfolgreichste Phase in der Vereinsgeschichte. Im Spieljahr 1951/52 stieg die Mannschaft in die Amateur-Oberliga – damals die zweithöchste deutsche Spielklasse – auf. Bis 1960 war der Verein eine feste Größe in der norddeutschen Fußball-Landschaft. Anschließend ging es sportlich ein wenig bergab.
1971 fusionierte der SCN mit dem VfL Nordenham, dem 1. Nordenhamer Schwimm-Verein und dem Judo-Club zum Sportverein Nordenham. Den Fußballern blieb allerdings der erhoffte Aufschwung versagt. Auch der TuS Einswarden hatte Probleme, vor allem in der Jugendarbeit. So kam es 1994 zur Fusion. Für die Vorstandsmitglieder Gerd Hedemann und Horst Wulf – beide sind aus dem TuS Einswarden hervorgegangen – war der Zusammenschluss auch aus heutiger Sicht eine richtige Entscheidung.
Quelle: NWZ

Solowskis Tor entscheidet spannende Regenschlacht

Stephan Tönnies

Mit Schmackes auf die Kiste: BVC-Torjäger Adolf Scheidt (Mitte) zieht ab.

Die Fußballer des BV Cloppenburg lieferten 1953/1954 eine der besten Spielzeiten in der langen Vereinsgeschichte ab. In der Amateurliga II glänzten sie mit einer bärenstarken Offensive, die den gegnerischen Abwehrreihen schwer zu schaffen machte. Dabei kam ihr beidfüßiger Angreifer Adolf Scheidt auf 54 Ligatreffer. Auch dank seiner Tore dribbelten sich die Cloppenburger auf den ersten Tabellenplatz. Die Bilanz war beeindruckend: In 26 Ligaspielen gaben die Cloppenburger um Keeper Hans Hochartz nur sieben Punkte ab. Zudem schossen sie 102 Treffer und kassierten mit 27 Gegentoren vergleichsweise wenig Treffer.

Doch der Gewinn der Meisterschaft bescherte nicht gleich den Aufstieg. Die Cloppenburger mussten eine Aufstiegsrunde bestreiten. Gegner waren der VfB Fallersleben, Germania Walsrode und der SC Nordenham. Die Nordenhamer waren ein schwerer Brocken. Schließlich hatten sie sich in der Amateurliga I ebenfalls in beeindruckender Art und Weise zum Titel geschossen. Darüber hinaus hatten sie am Ende der Spielzeit ein Torverhältnis von 143:48 vorzuweisen.

hr Topstürmer war der bärenstarke Horst Emmert. Er kam auf 51 Ligatreffer. Am vierten Spieltag der Runde empfingen die Cloppenburger den SC Nordenham. Bei einem Sieg hätten sie den vorzeitigen Aufstieg in der Tasche gehabt. Von Sonnenschein war am Spieltag auf der Sportanlage an der Friesoyther Straße aber meilenweit nichts zu sehen. Es regnete in Strömen. Doch die Zuschauer waren trotzdem gekommen. Ausgerüstet mit Hut, Regenschirmen und Regenmänteln wollten sie sich dieses spannende Duell nicht entgehen lassen. Auch eine stattliche Anzahl an SCN-Schlachtenbummlern war angereist.

Beide Teams spielten vom Anpfiff weg beherzt nach vorne. Allerdings bissen sich die Cloppenburger erstmal an Nordenhams starker Abwehr die Zähne aus. Fels in der Brandung war Nordenhams Schlussmann Otte, der die Schüsse von Scheidt, Josef Bockhorst und Josef Gerst in prächtiger Manier entschärfte.

Ottes Gegenüber Hochartz hatte unterdessen nicht so viel zu tun, musste allerdings kurz vor der Halbzeitpause den Ball aus dem Netz holen. Ziegert hatte zwei Cloppenburger auf dem Bierdeckel ausgespielt und das runde Leder in die lange Ecke gepfeffert. Nach dem Seitenwechsel wurde die Begegnung intensiver. Die Cloppenburger drängten auf den Ausgleich. Der nimmermüde Franz Solowski jagte in der 59. Minute eine Flanke in den Strafraum, die Heinz Gerst per Kopf zum Ausgleich versenkte. In der Folgezeit ging weiter die Post ab. Beide Mannschaften schenkten sich nichts. Dabei legten die BVCer einen Zahn zu. Sie wollten den Aufstieg unbedingt vorzeitig perfekt machen. Aber vorerst fanden sie in Nordenhams Torhüter ihren Meister. Otte hielt glänzend, hechtete und faustete durch den Strafraum, als gäbe es kein Morgen mehr. Zudem hatte er das Glück des Tüchtigen, da mehrere BVC-Schüsse gegen Pfosten oder Latte klatschten. Die BVC-Spieler konnten es nicht fassen und haderten mit dem Fußballgott.

Ihre Anhänger dagegen wurden immer nervöser. Denn es waren nur noch vier Minuten zu spielen. Dann schlug die große Stunde von Cloppenburgs Solowski. Der ehemalige Spieler des VfL Osnabrück schnappte sich die Kugel und jagte sie per gezieltem Flachschuss zum 2:1-Siegtreffer ins Tor. Die Regenschlacht war entschieden, und der BVC hatte den Aufstieg in die Amateuroberliga gepackt. Mit Cloppenburg ging auch der VfB Fallersleben mit hoch. Die Cloppenburger blieben bis 1962 in der Amateuroberliga. Die Nordenhamer packten in der Saison 1954/1955 den Aufstieg in die Amateuroberliga.

Helmut Witgräfe

Das Jahr 1952 gehörte zu den erfolgreichsten in der Geschichte des SC Nordenham. Die 1. Mannschaft feierte den Aufstieg in die zweithöchste deutsche Spielklasse, die Amateuroberliga. Aber auch die beiden unteren Herrenmannschaften des SCN machten von sich reden.
Die 2. Mannschaft wurde Meister in der 1. Kreisklasse und schaffte den Aufstieg in die Bezirksklasse. DasTeam gab in der Rückrunde keinen Punkt mehr ab. Auch die von mir betreute 3. Mannschaft wurde Meister und stieg in die 1. Kreisklasse auf. Einige Spieler dieses Teams schafften später den Sprung in die Erste: Erwin Borstorf, Erwin Ledebrink, Heinz-Georg Kuhlmann, Peter Kalweit, Gerfried Müller, Rolf Gerdes und Hans Hohn. Dort spielten sie viele Jahre lang eine gute Rolle. Für die 1. Mannschaft lief es in der Amateuroberliga nicht ganz so gut. Unter unglücklichen Umständen musste das Team nach einem Jahr wieder absteigen. Die Mannschaft ließ sich aber nicht entmutigen. Das Spieljahr 1953/1954 begann mit einem 6:0-Heimsieg gegen TuRa Oldenburg. Abschließend gewannen die Nordenham mit 10:0 bei Stern Emden. Am Ende der Saison hatte der SCN 54:14 Punkte und ein Torverhältnis von 143:48. Allein
Horst Emmert erzielte 51 Tore. Der SCN holte zwar den Titel, aber mit dem Wiederaufstieg wurde es nichts. Gegner in der Aufstiegsrunde waren der BV Cloppenburg, der VfB Fallersleben und Germania Walsrode. Am Ende machten Cloppenburg und Fallersleben das Rennen. Das war ein schwerer Schock für die Mannschaft. Im Jahr darauf versuchten es die Nordenhamer noch einmal.
In der Saison 1954/1955 wurde der SCN erneut Meister in der Verbandsliga — zum dritten Mal: diesmal mit 38:12 Punkten und 106:51 Toren. Nun klappte es mit dem Aufstieg gegen die Mitbewerber TuS Lingen und Germania Walsrode. Darüber hinaus erhielt die 1. Mannschaft für hervorragende sportliche Leistungen vom Niedersächsischen Fußballverband das Niedersachsenross, eine Bronzeskulptur. Dabei handelte es sich im einen Fairnesspreis. Über mehrere Jahre hatte die 1. Mannschaft des SCN keinen Feldverweis mehr bekommen.

100 Jahre Fußball in Nordenham
Abstieg ausgerechnet im Jubiläumsjahr

von Werner Büsing

Bis 1960 hielt sich der SC Nordenham in der Amateur-Oberliga. Aber den personalen Aderlass konnte der Verein auf Dauer nicht verkraften.

Die erfolgsverwöhnte Mannschaft des SC Nordenham musste nach dem Aufstieg in die Amateuroberliga im Jahre 1955 feststellen, dass in dieser Staffel ein anderer Wind weht. Die Mannschaft erreichte aber in der Saison 1955/1956 immerhin den neunten Platz. Zum Team gehörten damals Witgräfe, Schaar, Buller, Borstorf, Diekmann, Bargmann, Müller, Emmert, Barl Reimann, Kuhlmann, Wedemeyer, Kolberg, Marx, Freese, Luers, Lindemann, Kiesewetter, Harms und Garlichs.
1957 bekam die Mannschaft wieder ein anderes Gesicht. Heinz Ziegert kam zurück zum SCN. Philipp Bartz verließ die Mannschaft, weil er in Schweden einen Trainerposten bekommen konnte. Er ist im vergangenen Jahr in Schweden verstorben.
1958 und 1959 konnte der SCN die zweithöchste deutsche Spielklasse gerade noch halten. Ein Grund dafür war der sensationelle 2:0-Sieg bei Eintracht Osnabrück, wobei Torwart Büchner die gegnerischen Stürmer zur Verzweiflung brachte. Sehr zur Freude seiner Mitspieler und seines Trainers Wagenbrett
hielt er einfach alles, was auf seinen Kasten kam. Zur neu formierten Mannschaft gehörten damals Büchner, Ostendorf, Diekmann, Kiesewetter, Ledebrink, Emmert I und Emmert II, Buller, Kuhlmann, Tietzmann und Lindemann. Am Ende der Spielzeit 1959/1960 war aber endgültig so weit. Der SC Nordenham musste absteigen — ausgerechnet im Jubiläumsjahr. Der Verein feierte sein 50-jähriges Bestehen.
Inzwischen hatte der SC Nordenham einen neuen Sportplatz am Plaatweg bekommen. Damit war es allerdings auch vorbei mit der Gemütlichkeit auf dem Jahnplatz, direkt am Marktplatz. Die Zuschauer fühlten sich auf dem neuen Gelände nicht mehr so wohl. Es kamen immer weniger.
Der sportliche Abstieg hatte mehrere Gründe. Mehrere Stammspieler verließen die Mannschaft. Torwart Witgräfe ging zum VfB Oldenburg, Schaar und Bargmann hörten auf. Reimann, Harms und Ledebrink gingen in die USA. Marx zog es zurück zum TuS Einswarden. Ziegert ging nach Brake, Hasenkamp nach
Cloppenburg, Ostendorf nach Blumenthal und Wedemeyer ging als Berufssoldat zur Bundeswehr. Der SCN verlor eine komplette Oberligamannschaft. Das konnte der Verein nicht verkraften.
In dieser Zeit hatte die Anzahl der Fußballer enorm zugenommen, aber auch die Anzahl der Vereine, in denen Fußball gespielt wurde. In Nordenham gab es zunächst nur den TuS Einswarden und den SC Nordenham. Bis 1960 kamen aber noch der RSV (später ESV Nordenham) sowie der TSV Abbehausen, der SV Phiesewarden und der TV Esenshamm dazu. So gab es allein in Nordenham sechs Fußballvereine. Jeder Verein hatte mehrere gute Spieler, die in den unteren Klassen kickten. Das kam dem Breitensport zugute, aber nicht dem Spitzensport.
Ein weiteres Problem war die allgemeine Wehrpflicht. Viele junge Spieler wurden eingezogen und standen ihren Vereinen nicht mehr zur Verfügung. Auch die Abnahme von attraktiven Arbeitsplätzen trug dazu bei, dass der Nachwuchs in Nordenham ausblieb. Dies mögen einige Gründe dafür sein, dass es mit dem Leistungssport in Nordenham in der damaligen Zeit abwärts ging.

Helmut Witgräfe statt Toni Turek

H. JOACHIM BÖDEKER

Einsatz auf dem Platz an der Jahnturnhalle Anno 1954: Jenning Harms (links) vom SC Nordenham im Spiel gegen den BV Cloppenburg.

DER AUTOR WAR FUßBALLBEGEISTERT. ABER ER DURFTE NICHT IN EINEN VEREIN EINTRETEN.
1954 war das Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft in der Schweiz. Ich war damals zehn Jahre alt und fußballbegeistert. Weil es noch kein Fernsehen gab, spielte ich mit meinem Märklin-Stabilbaukasten und hörte die Reportagen von Herbert Zimmermann vom NDR.
Damals waren in Nordenham nur drei Rundfunksender zu empfangen: Bremen, Hamburg und AFN Bremerhaven. Selbst habe ich nur am Gymnasium auf dem Sandplatz mit der blauen Tinte und auf dem Sportplatz gespielt. Obwohl meine Freunde Dirk Bitter, der Sohn vom Wirt der „Zukunftsecke“, und Gernot Halbrodt aus der Willehadstraße in der Schülermannschaft beim SC Nordenham spielten, durfte ich nicht in den Verein eintreten, weil meine Mutter für mich den Tennis- oder Ruderclub im Auge hatte.


Im Blendax-Trikot


Bei jedem Heimspiel der Herrenmannschaft war ich dabei auf dem Sportplatz neben der Turnhalle und dem Marktplatz. Ich war großer Verehrer von Torwart Helmut Witgräfe, von Horst Emmert und Ewald Buller. Erinnern kann ich mich auch noch an Emmerts jüngeren Bruder, an den Dribbelkünstler Philip Barz, Jenning Harms, auch an Erwin Borstorf. Ernste Konkurrenten waren zu der Zeit der Lokalrivale TuS Einswarden, VfB Oldenburg, Blau-Weiß Borssum, TuS Melle und Stern Emden. Als prominenteste Mannschaft trat der Oberligist FC St. Pauli, der in Nordenham in einem Freundschaftsspiel zu Gast war, auf.
Die Nordenhamer hatten zu der Zeit ein Blendax-Trikot: blau-weiße Flächen ähnelten der gängigen Zahnpastamarke Blendax. Mit dem Fahrrad fuhr ich zu Fußballspielen nach Einswarden und Brake. Verächtlich schauten wir damals auf Abbehausen, RSV Nordenham und Phiesewarden herab.
Nach der gewonnenen Weltmeisterschaft in Bern im Jahre 1954 bekam ich zum Geburtstag ein Tipp-Kick-Spiel, wobei man den kleinen Figuren den Kopf eindrücken musste, damit sie mit dem rechten Bein gegen den kleinen Spielball traten. Auf dem grünen Spielfeld markierte ich die Namen der deutschen Nationalmannschaft in der klassischen Aufstellung. Nach einem Jahr gefiel mir der SC Nordenham so gut, dass ich die Namen der Nationalspieler mit Pelikan-Tinte königsblau überschrieb. So wurde in meiner Fantasie aus Toni Turek Helmut Witgräfe, aus Fritz Walter Horst Emmert, aus Jupp Posipal Ewald Buller und so weiter. Meine Fußballbegeisterung endete mit dem neuen Stadion am Plaatweg.

Eis statt Eintritt

Die Heimspiele am Marktplatz waren immer ein Ereignis: Die Zuschauer standen in Dreier- und Viererreihen vor dem Sichtschutz gegen die Marktseite, in der ersten Reihe saßen die Schlauen, die sich Klappstühle mitgebracht hatten. Die ganz Privilegierten jedoch saßen auf einer Art Hochsitz hinter dem östlichen Tor, der dem Sportwarenhändler Fritz Tatje oder Radio Walter gehörte.
Nun kommt eine Geschichte, die ich um der Wahrheit willen nicht unterdrücken darf. Ich kam nie durch den offiziellen Eingang von der Bäckerei Harries, sondern stieg immer über den Zaun von der Marktseite her. Das war damals bei Kindern üblich und stillschweigend geduldet. Einmal hat mich der Funktionär Eduard Liebert erwischt und mich mit den Worten verwarnt: „Nächstes Mal kommst du durch den richtigen Eingang!“
Die jeweils ersparten 30 Pfennig brauchte ich nämlich für ein großes Eis (drei Kugeln: Erdbeer, Schokolade, Ananas in der Muschel mit Plastikspachtel), das ich beim Kiosk von Paul Kotelmann kaufte. Das ging aber nicht in der Halbzeitpause, weil bei Kotelmann ein derartiger Andrang von Bier- und Zigarettenkäufern war, dass ein Kind keine Chance für ein Eis gehabt hätte. Ein Eis bekam man bequem vor oder nach der Pause.
Als heimischer Schiedsrichter bleibt mir noch Beyer in Erinnerung und natürlich Rudi Böschen, der fast bei jedem Spiel mit seiner eigenen gelben Fahne als Linienrichter tätig war. Rudi Böschen wohnte ganz oben bei Uhrmacher Mosel und hatte mit seinem Riesenfernglas den Sportplatz immer im Visier, wenn er nicht gerade am Union-Pier Schiffe beobachtete.

Spiel der Nordauswahl gegen die Südauswahl in Nordenham

Stephan Tönnies

Faustabwehr: Der ehemalige BVC-Keeper Waldemar Mrusek (hier eine Szene aus einem Spiel mit dem VfL Osnabrück gegen Kaiserslautern) hielt stark.

Am 1. Mai 1949 traf im Bezirk Oldenburg eine Nordauswahl auf eine Südauswahl (3:2). Die Partie sahen 3000 Zuschauer.
Der erste Mai 1949 war ein Festtag für die Fußball-Fans des Bezirkes Oldenburg. In Nordenham trafen seinerzeit zwei Auswahlmannschaften aufeinander. Es kam zum mit Spannung erwarteten Duell zwischen der Nordauswahl und der Südauswahl. Bereits einige Tage im Vorfeld der Begegnung spekulierten die Anhänger von König Fußball an den Stammtischen und Biertheken darüber, welche Spieler für dieses Prestigeduell nominiert werden.
Ende April sickerten die ersten Aufgebote durch. Für den Süden waren folgende Akteure in den Kader berufen worden: Mrusek (BV Cloppenburg), Kriebusch, Müller, Balla (alle VfL Oldenburg), Kraft (BVC), Cypris (BVC), Fangmann (Vechta), Eick (VfL Löningen), Mävers (VfB Oldenburg), Solowski (BVC) und Schönhöft (Falke Steinfeld).
In den Reihen der Nordauswahl standen unter anderem Topleute wie Torjäger Aljets und Kruhl (beide TSR Wilhelmshaven), sowie Torhüter Otte (Nordenham). Aufgrund diverser Aufstiegsspiele fehlten zwar einige klangvolle Namen in den Kadern beider Kontrahenten, trotzdem hatte es die vorläufige Spielerliste in sich.
Bis zum Tag des Spiels sollten die Aufgebote jedoch aufgrund diverser Ausfälle noch ordentlich durcheinandergewirbelt werden.
Dann war er da – der Anpfiff, und rund 3000 Zuschauer waren nach Nordenham gereist, um sich diesen Leckerbissen nicht entgehen zu lassen. Als Schiedsrichter Knöß (RSV Nordenham) die Begegnung anpfiff, legten beide Mannschaften los wie die Feuerwehr. Und sie sahen eine Südauswahl, die auf Mävers, Cypris, Kraft und Fangmann verzichten musste. Diese namhaften Ausfälle waren nur schwer zu verkraften. Doch der Süden wehrte sich nach Kräften und glänzte vor allem durch eine starke Abwehrleistung. Turm in der Schlacht war der Cloppenburger Schlussmann Waldemar Mrusek, der sein großes Talent gleich mehrfach unter Beweis stellte.
Die Nordenhamer, angetrieben von ihrer Läuferreihe Juhrs, Malcharek und Zorn, spielten flott nach vorne. So verwunderte es auch die Zuschauer nicht, dass Windorf den Norden in Führung schoss (16.). Doch die Antwort des Gegners ließ nicht lange auf sich warten. In der 28. Minute gelang Lüttich der Ausgleich. Lüttich profitierte dabei von einem Fehler Ottes. Dieser hatte, weil er von der Sonne geblendet worden war, den Ball nicht richtig zu packen bekommen, und Lüttich staubte ab.
Kurz vor der Pause leistete sich die Abwehr der Südauswahl einen Patzer. Nutznießer war Menze, der sein Team mit 2:1 in Führung brachte. Zu Beginn der zweiten Halbzeit hatte die Südauswahl einige Umstellungen vorgenommen. Lüttich ging für Radke (Molbergen) in die Sturmmitte. Zudem kam Josef Bockhorst vom BV Cloppenburg ins Spiel. Bockhorst machte Dampf auf Rechtsaußen. Die Umstellungen sollten sich vorerst auszahlen. Der quirlige Franz Solowski (BVC) jagte den Ball aus kurzer Distanz zum 2:2 ins Tor (50.).
In der Schlussviertelstunde lief die Angriffsmaschinerie der Nordauswahl auf Hochtouren. Doch erneut bremste Mrusek zahlreiche Angriffe erfolgreich aus. Doch kurz vor Spielende traf Brandt für die Nordauswahl zum 3:2-Endstand. Beste Akteure bei der Nordauswahl waren laut NWZ vom 3. Mai 1949 die Spieler Malcharek, Menze und Aljets. Beim Süden wussten Mrusek, und die flotten Flügelspieler Solowski und Schönhöft zu überzeugen. Mrusek wechselte übrigens am Ende der Saison für eine Ablösesumme von 1000 Mark zum VfL Osnabrück in die Oberliga Nord. Auch Solowski heuerte beim VfL an

Startelf Nordauswahl: Otte (Nordenham), Bartsch (TSR Wilhelmshaven), Groth (Brake), Juhrs (Einswarden), Zorn (TSR), Brandt (Varel), Windorf (Jever), Menze (TSR), Ludwig (Jever), Aljets (TSR).

Startelf Südauswahl: Mrusek (BV Cloppenburg), Kriebusch, Müller, Balla (alle VfL Oldenburg), Mann (Rastede), Grambart, Lüttich (beide VfL), Eick (Löningen), Radke (Molbergen), Solowski (BVC) und Schönhöft (Steinfeld).

NWZ